Am 13. Dezember 2025 wurde ein Film in Erfurt uraufgeführt, der vollständig von Ehrenamtlichen des Jugendweihevereins produziert wurde. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Im Juni 2024 kam Marlene Mönnich, unsere erste FSJlerin im Erfurter Jugendweihebüro, mit der Idee für ein Filmprojekt ins Ehrenamtsteam. Sie hatte im Austausch mit Workshopleiter*innen viel über Ilversgehofen und sein Ansehen innerhalb Erfurts diskutiert. Dabei ist ihr aufgefallen, dass viele eher negativ über den Bezirk reden. Als Standort für das Jugendweihebüro liegt uns der Stadtteil jedoch am Herzen, und das könnte doch ein Film perfekt darstellen.
Gesagt, getan. Innerhalb kürzester Zeit fand sich ein kleines Team an Interessenten und wir entwickelten eine vollständige Projektidee. Uns interessierte besonders, wie der Stadtteil geschichtlich geprägt wurde, welche Orte und Themen bis heute im Zeitgeist überdauern. Auch die Menschen, Vereine und Geschäfte, die Ilversgehofen prägen, wollten wir zeigen. Somit wurde die Idee geboren, Ilversgehofens Geschichte und seine heutige Gestalt zu verknüpfen, um einen Gesamteindruck vom „alternativ-linken Kulturviertel Erfurts“ zu zeigen. Dabei war es uns, als Verein, der sich vorrangig mit Jugendarbeit beschäftigt, ein Anliegen, auch die Möglichkeiten darzustellen, die junge Menschen haben, um sich im Viertel einzubringen und auszuleben. Gleichzeitig wollten wir Ehrenamtlichen uns mithilfe des Projektes persönlich weiterentwickeln. Daher haben wir uns entschieden, alle zentralen Schritte der Filmproduktion selbst zu übernehmen und uns nur unterstützend von Film-Expert*innen beraten zu lassen.

Mitte Juli 2024 beantragten wir mit dem erarbeiteten Konzept und mit tatkräftiger Unterstützung durch Maike Schökel die erforderlichen Fördergelder. Darauf folgte eine angespannte Zeit: Warten auf eine Antwort. Enttäuschung wegen Ablehnung. Neuer Antrag. Warten. Absage. Mit Antrag 4 erhielten wir endlich Gelder, doch leider nicht in ausreichendem Umfang. Daher hieß es wieder Anträge schreiben. Und warten. Nach insgesamt 6 Anträgen hatten wir im Juni 2025 endlich die nötige Summe aus mehreren Fördertöpfen zusammengekratzt, jedoch unter der Bedingung, dass der Film bis Dezember desselben Jahres fertiggestellt sein muss. Wir wollten sofort loslegen, doch trotz der gewährten Förderung hing plötzlich das gesamte Projekt wieder in der Schwebe.
Durch die hohe Wartezeit auf das Geld hatte sich das ursprüngliche Filmteam schon anderweitig verplant und konnte uns nicht mehr unterstützen. Sofort hat Maike alle Räder in Bewegung gesetzt, damit wir den Film noch produzieren können. Nach fieberhafter Suche über mehrere Wochen, konnte sie eine Filmerin finden, die zu unserer Begeisterung unmittelbar zusagte. Mit dieser Sicherheit konnten wir den tatsächlichen Planungsprozess beginnen. Und standen vor dem nächsten Problem: Wie plant man einen Filmdreh?
Glücklicherweise konnte Maike auch hier behilflich sein. Sie engagierte die Medienpädagogin Lena Kuhn für einen Workshop mit uns. In diesem beschäftigten wir uns vorrangig mit der Planung und Durchführung von Interviews, die das Kernstück des Filmes werden sollten. Zusätzlich lernten wir ein Drehbuch zu schreiben, Drehtage zu planen sowie die Basiselemente eines Films kennen.

Auf Grundlage dieser neuen Kenntnisse trafen wir innerhalb weniger Tage die notwendigen Absprachen mit unseren Interviewpartner*innen, Drehorten und unserer Filmerin. Alice End hat uns im gesamten Prozess ab Juli 2025 tatkräftig unterstützt und den Film mit ihrer Expertise bereichert. Sie hat uns die Technik zum Filmen und Schneiden bereitgestellt und uns mit ihrem Wissen an allen Dreh- und Schnitttagen beraten.
Im September 2025 haben wir mehrere Nachmittage an vielen Orten in Ilversgehofen gedreht. Dabei haben wir möglichst verschiedene Bereiche des Viertels gewählt, um die Vielfalt des Stadtteils im Film darstellen zu können. Unsere Interviewpartner*innen haben wir an diesen Tagen in ihren Geschäften und Lieblingsorten in Ilversgehofen gefilmt, damit ihr Auftreten so natürlich wie möglich eingefangen werden konnte. Unseren Experten für die Historie von Ilversgehofen interviewten wir im Stadtarchiv Erfurt und nutzten die Gelegenheit, um archiviertes Bildmaterial von Ilversgehofen zu suchen. Zwei Nachmittage waren wir mit dem Sichten von hunderten von Bildern beschäftigt, bis wir eine Auswahl treffen konnten, die den Film bereichern würde. Außerdem stand eine Vielzahl an Außenaufnahmen auf der Agenda, die wir aufgrund der passenden Wetterlage wie geplant durchführen konnten.
Im September haben wir zudem gemeinsam mit Grafiker und Vereinsmitglied Felix Walter die Werbematerialien fertiggestellt. Die Einigung auf ein Filmplakat war eine unserer größten Aufgaben, denn jeder von uns hatte einen anderen Favoriten aus den Entwürfen von Felix. Schlussendlich konnten wir jedoch ein Design erstellen, mit dem wir alle zufrieden waren. Und keine Sekunde zu früh, denn wir mussten die Poster sofort drucken, um sie rechtzeitig aushängen zu können.

Den folgenden Monat haben wir die gefilmten Interviews transkribiert und die verwendbaren Ausschnitte ausgewählt. Das hat viel Zeit gekostet, die uns jedoch die spätere Schnittarbeit enorm erleichtert hat. Denn wir konnten bereits über die Hälfte der Aufnahmen aussortieren, da sie nicht für den Film verwendbar waren. Besonders ein Interview, das über eine Stunde dauerte, musste rigoros eingekürzt werden. Der betreffende Interviewpartner hatte enorm ausschweifend erzählt und viele Passagen konnten durch undeutliche Formulierungen nicht genutzt werden.
Ende November bis Anfang Dezember beschäftigten sich Alice End, Junia Zimmermann und ich uns an 5 intensiven und langen Tagen mit dem Schnitt der Aufnahmen zu einem zusammenhängenden Film. Wir starteten etwas holprig, doch nachdem wir uns eingefuchst hatten, lief alles wie am Schnürchen. Und das musste es auch, denn der Premierentermin stand schon für Mitte Dezember fest.
Nach hunderten Stunden Arbeit und 2 FSJler nach der ersten Idee konnten wir im Dezember 2025 unseren Film endlich einem Publikum zeigen. Wir waren aufgeregt und erwarteten die Besuchenden voller Vorfreude im Stadtteilkino Schambrowski. Sowohl vor als auch nach dem Film wollten wir mit den Anwohner*innen ins Gespräch über ihren Stadtteil kommen. Uns war es wichtig, eine gemeinschaftliche Atmosphäre dafür zu schaffen, weshalb wir ein Buffet mit Speisen aus Ilversgehofener Restaurants und Bistros zusammengestellt hatten. Im Austausch mit den circa 70 Menschen kamen viele interessante Perspektiven und Erinnerungen zu Ilversgehofen auf. Seit dieser Premiere haben uns mehrere Anfragen erreicht, den Film nochmals zu zeigen, unter anderem auf der großen Bühne zum diesjährigen Magdeburger-Allee-Fest Anfang Juni.

Zum Abschluss möchte ich danke sagen. Danke an den Verein, der uns das Projekt möglich gemacht hat. Danke an das Büroteam in Erfurt für euer regelmäßiges Feedback. Und natürlich ein großes Dankeschön an alle Mitwirkenden vor und hinter der Kamera für die tolle Arbeitsatmosphäre und die Begeisterung für den Film. Namentlich möchte ich vor allem unser Ehrenamtsteam Jenny Betcher, Paul Gröning, Marlene Mönnich, Sophia Scholz und Junia Zimmermann hervorheben. Die Zusammenarbeit mit euch hat mir viel Freude bereitet.
Das Projekt hat meinen Horizont unfassbar erweitert und die Fähigkeiten, die ich hier erlangen konnte, werden mich noch lange begleiten und voranbringen.


